Sonntag, 20. März 2016

Auf den Spuren von Gerhard Richter


Ich mag es sehr, wenn wir uns im Kunstunterricht auch mit zeitgenössischen Künstlern und ihren Kunstwerken beschäftigen. Vor den Osterferien drehte sich bei uns alles um Gerhard Richter, den Kölner Künstler, der lange Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie unterrichtet hat und laut Kunstkompass als wichtigster Künstler unserer Zeit gilt.


 Abstraktes Bild von T.


 
Zunächst beschäftigten wir uns mit der Person Gerhard Richters und schauten uns verschiedene Kunstwerke. Dabei arbeiteten wir vier Schwerpunkte heraus: realistische Bilder, Farbtafeln, abstrakte Bilder und übermalte Fotografien.
Die Schüler waren von der Vielfalt der Kunstwerke fasziniert. Auf der Website des Künstlers finden sich viele Beispiele und  - besonders toll - kleine Filme, die ausgewählte Kunstwerke sehr nah und detailliert vorstellen.

In der praktischen Umsetzung im Kunstunterricht entschieden wir uns für  Farbtafeln, abstrakte Bilder und übermalte Fotografien.




Hierzu gibt es Material für Grundschulen, das für den Einstieg in das Werk Gerhard Richters gut geeignet ist:
Das Material von RAAbits 
Quadrate,Farben, Licht - den zeitgenössischen Künstler Gerhard Richter und seine Werkekennenlernen“ 
kostet digital 5,00€. Die Anschaffung lohnt sich, da gute Ideen und Arbeitsblätter zu den Farbtafeln vorgestellt werden.

Zunächst beschäftigten wir uns mit der Anordnung von Farbtafeln, legten aus ausgewählten Farben Tafeln mit kalten und warmen oder hellen und dunklen Farben. 



Die Schüler haben selber Farbtafeln erstellt und angeordnet. Abschießend schauten wir uns Richters größte „Farbtafel“, das Richterfenster im Kölner Dom an. Hierbei entdeckten die Schüler auch die komplexe Symmetrie. Interessant war auch, wie Richter die Farben für sein Fenster ausgewählt hat.







Nach den Farbtafeln rückten die abstrakten Bilder in unseren Fokus. Wir haben uns per Smartboard einige Bilder und Filme angeschaut. Die Schüler rätselten, wie Gerhard Richter diese Bilder malt. Außerdem war es toll zu erfahren, was die Schüler alles in den abstrakten Bildern entdecken und wie sehr sie die Phantasie anregen können. 

Nach einigem Diskutieren habe ich Ausschnitte aus dem Film „GERHARD RICHTER Painting“ gezeigt. 
Die Schüler waren von der Rakeltechnik total fasziniert und auch Gebärdensprachnutzer können sprachlos vor Staunen sein.

Im Werkraum bauten wir aus alten Bewerbungsmappen und Holzleisten einfache Rakeln. Die stabilere Plastikseite der Bewerbungsmappe wird mit Heftzwecken an der Holzleiste befestigt. 




Und dann ging das große Experimentieren los. 
Wie Gerhard Richter, arbeiteten auch wir nur mit einer eingeschränkten Farbauswahl: rot, grün, blau, gelb, weiß und schwarz. Als Farbe haben wir dickflüssige Acrylfarbe und auch normale Schulmalfarbe genutzt.   

Zunächst arbeiteten die Schüler auf Papier. Dabei bemalten sie zu Beginn das Papier mit Farben und Pinsel. Das Motiv und auch die Farben konnten sie selber wählen. Die meisten haben abstrakte Farbflächen gemalt.


Bevor wir mit der Rakel arbeiteten, haben wir mit einem Föhn die Hintergründe leicht angetrocknet damit sich die Farben nicht komplett vermischen. Dann begann der spannende Teil des Kunstunterrichts. 

Die Schüler konnten zunächst zwei Farben auf die Rakel geben und sie dann über das Papier ziehen. Dabei entstanden tolle abstrakte Bilder. Einige Schüler gingen allerdings immer wieder mit der Rakel über das Papier, so dass sich alle Farben zu einem scheußlichen „rosa-braun“ vermischten (3. Bild). 








Bei der nächsten Kunststunde sahen wir uns die Werke an und besprachen gemeinsam, welche Bilder gut und welche nicht gut gelungen waren. Die Schüler entdeckten schnell, dass es nicht gut aussieht, wenn die Farben sich zu sehr vermischen. Nach dieser Erkenntnis konnten wir endlich mit Leinwänden arbeiten. Die Schüler gingen sehr sensibel mit den Farben um. Einige trauten sich zunächst nur, eine Farbe mit der Rakel aufzutragen, zu groß war der Respekt vor der Leinwand. In einer weiteren Kunststunde konnten sie noch weitere Farbschichten auftragen und ggf. auch abkratzen.












Letztendlich sind dabei wunderbare kreative Kunstwerke entstanden. Interessant war für mich die Farbwahl der Schüler und der Mut, wie sie mit dem Instrument Rakel umgegangen sind.
Nebenbei haben wir mit der Rakeltechnik auch noch Ostereier für die jahreszeitlichen Klassendekoration eingefärbt.










Kurz vor den Ferien beschäftigten wir uns noch mit den übermalten Fotos von Gerhard Richter. Auch hier sollten die Schüler überlegen, wie Richter sie bemalt - und nein, die Rakel kam diesmal nicht zum Einsatz. Gerhard Richter gibt häufig Farbe auf einen Tisch und zieht dann die Fotos durch die Farbe. 

Wir haben uns aus dem Ergotherapie-Raum ein kleines Trampolin ausgeliehen. Dann haben sich die Schüler beim Springen fotografiert. Diese Fotos wurden schließlich übermalt.  
Dazu haben die Schüler zwei Farben aus der oben genannten Farbauswahl ausgesucht und auf einen Pappteller gegeben. Als Farbe ist Acrylfarbe deutlich besser als normale Schulmalfarbe, da diese nach dem Trocknen schnell bröckelig wird.  

Und dann musste das Foto durch die Farbe gezogen werden. Zunächst haben wir dies mit einer Kopie des Fotos probiert. Mir war wichtig, dass der Schülerkopf auf dem Bild später noch zu sehen ist. Deshalb wurde das Foto so in die Hand genommen, dass der Kopf von der Hand verdeckt war. 











Nach dem Trocknen haben wir die Fotos eingerahmt und natürlich auch signiert und datiert - wie Gerhard Richter das auch macht.

Mir und den Schülern haben diese Kunststunden sehr viel Spaß bereitet. Gerhard Richter ist auch für Grundschüler ein interessanter und vielseitiger Künstler, den zu entdecken sich lohnt.


*Schöne Osterferien*







Kommentare:

  1. Toll!! Danke fürs Teilen! LG Kathrin

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    1. Gerne! ;-)
      Schöne Ostertage und liebe Grüße!

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  2. Das sieht nach kreativen und schülerbestimmten Arbeiten aus. Gefällt mir sehr gut!
    Grüße! Hanna

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  3. Lieber Jörg,
    vielen Dank für die tollen Einblicke! Im letzten Jahr durfte ich im Rahmen der Aktion "Jedem Kind seine Kunst" mit meiner damals 1. Klasse an einem Rakelkurs bei einer Künstlerin teilnehmen. Das war klasse! Aber wenn ich eure Bilder sehe, dann bekomme ich richtig Lust, auch mal wieder mit den Kindern mit Acrylfarbe auf Leinwand zu malen. Nur leider haben wir keinen Werkraum, den wir dafür nutzen dürfen ...
    Ich wünsche dem Hasenlehrer frohe Ostern!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Liebe Andrea, danke für Deinen Kommentar. Vielleicht kannst Du im Sommer mit Deinen Schülern draußen arbeiten, dann braucht ihr keinen Werkraum.
      Viele Grüße und Dir auch schöne erholsame Ostertage!
      Jörg

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  4. Hachja! Wieder einmal WOW, was die Schüler bei dir erleben dürfen. Herzlehrer sind schon etwas sehr wertvolles!

    Liebe Grüße

    Corina

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  5. Da geht einem wirklich das Herz auf, wenn man das liest. Toll!
    Liebe Grüße von Christina

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  6. Ich habe deine Beschreibung als Grundlage genutzt um sie auf meine Klasse in der Förderschule für geistige Entwicklung anzupassen. Durch die Farbtafeln konnten die Schüler nocheinmal ein wenig Farblehre kennenlernen (kalte, warme, grundfarben) und dann ging es beim sehr großflächigen Rakeln in die Bewegung. Es ist wirklich ein tolles Thema und es sind fabelhafte Bilder und Fotos entstanden. Wir haben aus den Rakelbildern eine kleine Ausstellung gemacht, die Schüler durften sich auch einen Namen für ihr Bild überlegen. Die Fotos haben wir auch gerakelt, das ging auch gut und hat nochmal andere Anforderungen an feinmotorische Kompetenzen, als das großflächige Rakeln.
    danke für deine Beschreibungen, hat mir eine gute Grundlage geliefert.

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    1. Liebe Laura, es freut mich sehr, dass meine Beschreibungen etwas anstoßen konnten. Ich komme ürsprünglich auch aus dem GG-Bereich und habe damals mit meiner Unterstufenklasse auch Bilder nach Gerhard Richter mit der Rakel-Rechnik erstellt. Zuerst haben wir auf Leinwand einen Hintergrund gestaltet, diesen nach dem Trocknen mit Klebeband beklebt und dann noch einmal mit der Rakel und Farbe darüber. Das ist auch ein toller Effekt. Mit dem Klebeband haben wir z.B den Anfangsbuchstaben des Vornamens abgeklebt.
      Viele Grüße und Danke für deinen Kommentar!
      Jörg

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  7. Hi,
    wirklich eine super interessante Idee!
    Waren deine Rakel letztlich aus festem Karton oder aus Plastik?

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    1. Die waren aus Plastik (alte Bewerbungsmappen - die sind etwas stabiler als Schnellhefter). Es geht sicherlich auch gut mit einem laminierten DinA4 Blatt - in zwei Teile geschnitten und dann an einer Leiste befestigt. LG

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